Heimbewohner sind verunsichert

Der Verein Betreutes Wohnen hat einen Insolvenzantrag gestellt. Laut Geschäftsführer sollen die Kosten für Hausmeister-Dienste zu der finanziellen Misere geführt haben.

Doreen Hübler

Die Meldung über den Insolvenzantrag des Vereins Betreutes Wohnen kam vor allem  für 400 Menschen überraschend. Die Senioren, die in den insgesamt acht Heimen der Einrichtung leben - sieben davon befinden sich in Dresden, eines in Neusalza-Spremberg (Kreis Löbau-Zittau). "Sie sind verunsichert, wissen nicht wie es weitergeht", sagte gestern Reinhard Wagner, der Geschäftsführer des Vereins.

Bis Anfang Mai war er Vorsitzender des Vereinsvorstand, nach eigenen Angaben hat er sich aber nicht mehr für das Amt zur Verfügung gestellt. Fünf von sechs Mitgliedern des Vorstands wiederum hatten vor einigen Tagen den Antrag auf ein Insolvenzverfahren gestellt. "Ich war total überrumpelt, als sie mich darüber informiert haben", sagte er. "Zehn Minuten später standen die Rechtsanwälte in meinem Zimmer". Als vorläufiger Insolvenzverwalter wurde Rüdiger Wienberg eingesetzt. Dieser ist momentan damit beschäftigt, die finanzielle Situation des Vereins zu überprüfen und Gespräche mit den Mitarbeitern und Bewohnern der Häuser zu führen. "Meine Aufgabe ist es, in den kommenden Wochen und Monaten zu klären, wie die Menschen weiterhin betreut werden können" sagte er.

In den Häusern sind etwa 100 Mitarbeiter beschäftigt. Alle wurden über die aktuelle Situation informiert. "Auch sie haben verunsichert reagiert", sagt Wienberg. "Die Wenigsten hatten schon mal mit einer Insolvenz zu tun. Mit einer Kündigung müsse vorerst keiner der Angestellten rechnen. "Die Auslastung ist ziemlich hoch und die Personaldecke sogar fast zu dünn. Wir sind grundsätzlich darum bemüht, neue Kräfte zu gewinnen, um den Pflegebedarf decken zu können", sagt Wienberg. Was die Gründe für die finanzielle Schieflage des Vereins sind, will der Insolvenzverwalter nicht beantworten, sondern erst einmal die Geschäftsprüfung abwarten.

Für Reinhard Wagner dagegen gibt es einen entscheidenden Faktor, der zu dem Insolvenzantrag geführt hat. Hausmeisterkosten in Höhe von etwa 70 000 Euro. "Dieser Posten ist noch nicht geklärt und wird vom Finanzamt gefordert. Ansonsten ist alles bezahlt", sagt er. "So schlimm ist es gar nicht. Wir hätten uns hundertprozentig auch allein aus dieser Situation befreien können. Ich denke, dass wir im Oktober von der Insolvenz befreit sind."

Sächsische Zeitung vom 25.07.2007

 

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