Olaf-Wurst wieder gefragt

29.09.2006

Insolvenzverwalter mit vier Übernahme-Interessenten im Gespräch

Bis Ende Oktober, Anfang November, so hofft der Insolvenzverwalter Rüdiger Wien-berg, soll ein Käufer für die Olaf Fleisch- und Wurstwaren GmbH in Weißwasser ge-funden sein. Es gäbe vier mögliche Investoren. "Drei aus dem Inland, einen aus dem Ausland", so Wienberg gestern in einem Pressegespräch.

"Alle vier sehen die Chance, den Standort zu erhalten", so Rüdiger Wienberg. Er hoffe, dass dann wieder Normalität bei "Olaf" einzieht.
Den 200 Mitarbeitern, die noch an Bord sind und tatkräftig dabei helfen, das Schiff wieder in ruhigere Gewässer zu bringen, bescheinigte der Verwalter eine sehr gute Arbeit. "Was nutzen die besten Maschinen, wenn den Leuten wurst ist, was als Wurst aus diesen kommt", brachte es Rüdiger Wienberg auf den Punkt.
Dieser trat gestern den Beweis an, dass "Olaf" wieder zurück sei am Markt. Die erreichten Umsatzzahlen würden Anlass zu dieser Feststellung geben.

Schiff drohte zu stranden

Als der damalige Geschäftsführer Hubert Hahn Insolvenz angemeldet hatte, und der Insolvenzverwalter am 7. Juni hier antrat, sei das Schiff kurz vor dem Stranden gewesen. "Der Geschäftsführer hatte die Großkunden über das Ende informiert, so dass unter diesen enorme Aufregung herrschte, und Rewe, Metro und andere händeringend nach Ersatz suchten. Olaf wurde ausgelistet."

Etwas Schlimmeres hätte laut Wienberg gar nicht passieren können. Es habe viel, viel Mühe und Überzeugungskraft und Finanzierungshilfen gekostet, das Blatt zu wenden, sagte er gestern. Bis auf einige, nicht kostendeckende Kooperationen seien die meisten Partner wieder an Bord.

"Nach den ersten drei Wochen wollten wir einen Umsatz von 871.000 Euro erzielen, erreichten tatsächlich 1,16 Millionen Euro. Ende September standen schon 3,08 zu Buche. Der Trend setzt sich auch in diesem Monat fort", berichtete der Verwalter. Der Weg zurück an den Markt habe vor allem auch über die Qualität der Olaf-Produkte geführt. "Die ist einfach gut. Und welcher Betrieb in der Insolvenz kann sich als Silbermedaillengewinner der DLG für langjährige Spitzenleistungen präsentieren" Olaf ja. Die Medaille gab es erst vor wenigen Tagen", so Wienberg.

Mehrere Gesellschaften

Wie dieser gestern ebenfalls erläuterte, gehörten zu "Olaf" mehrere Gesellschaften. "Warum, weiß ich nicht. Möglicherweise wollte man als Olaf GmbH unter 250 Mitarbeitern bleiben und somit als kleiner mittelständischer Betrieb in den Genuss günstigerer Fördermöglichkeiten kommen", vermutet Wienberg. Seinen Worten nach erledigte die CDG Verwaltungsarbeiten und kümmerte sich um den Fuhrpark. Hier seien 66 Mitarbeiter beschäftigt gewesen. Diese GmbH ist in der Insolvenz, es gibt keine Mitarbeiter mehr, die sind zurück zur Olaf GmbH. Die zweite Gesellschaft sei die Heinz Klein GmbH gewesen, die mit 24 Mitarbeitern für das Filialgeschäft zuständig gewesen sei. Davon sind heute noch sechs Leute beschäftigt. Auch diese Firma befindet sich laut Wienberg in der Insolvenz. Vor der Insolvenz habe die Olaf GmbH viele Fremddienstleister beschäftigt. Der Ver-walter sprach gestern von 80 im Bereich der Zerlegung. In Summe 344 Mitarbeiter, darunter 264 eigene Leute. Davon sind per 30. September 200 an Bord. "Das ist ein knappes Personalkorsett, doch das braucht der Betrieb mindestens, um die Arbeit zu leisten", schätzte Rüdiger Wienberg ein.

Wienberg: Luftbuchungen

Für ihn und seine Mannschaft sei es sehr schwer gewesen, die Ursache für die Firmenkrise zu finden. "Die Datenbasis, die wir vorfanden, war sehr, sehr unsicher." Allein beim ersten Durchsehen der Unterlagen sei er auf  700.000 Euro "Luftbuchungen", also Buchungen ohne Belege, gestoßen. Beim genaueren Hinschauen der Finanzabschlüsse 2004/2005 mit einem ausgewiesenen Gewinn von 200.000 Euro hätten sich dann sechs Millionen Euro Verluste aufgetan, "Die wahrscheinlich noch höher sind", mutmaßt Rüdiger Wienberg.

"Es gab absolut kein Controlling, kein Geld, obwohl Arbeit ohne Ende da war." Die verstärkte Ausrichtung der Produktion auf SB-Fleisch sei laut Wienberg ein strategischer Fehler gewesen. Der Anteil von Wurst habe nur noch zehn Prozent ausgemacht. "Heute sind wir bei 40 Prozent, und die Wurst ist sehr gefragt."

Lausitzer Rundschau vom 29.09.2006

 

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